Frank Albrecht - Bus To Beyoglu -

15/04/2016 bis 28/05/2016

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

15.04.2016 um 7:30 Uhr | alle Räume

EinladungskarteFrontBus To Beyoglu Kopie2

Dokumentarfotografie. Istanbul im Wandel

Ausstellungseröffnung am 15. April um 19:30 

Begrüßung: Lothar Bührmannn, künstlerischer Leiter der Villa Ichon
Einführung : Daniel Schnier, Dipl.Ing.

Frank Albrecht hat Istanbul in den letzten Jahren besucht. Nach den Protesten um den Gezi-Park und den Taksim Platz, nach den Demonstrationen gegen die Immobilienspekulation, die Entkernung der Stadt und die Zwangsentmietungen war seine Absicht, den Wandel der Stadt fotografisch festhalten.

Der Gezi-Park war dann ganz anders, als er ihn sich vorgestellt hat. Keine großen Bäume, keine Spielgeräte für Kinder, keine Teestuben. Vielmehr ein desolater Baum-bestand, ungepflegte, fragmentarische Rasenflächen. Schon erstaunlich, dass sie sich mit Erdogan und seiner Staatsmacht für dieses verlassene Stückchen Grün an-gelegt haben.

Der Taksim-Platz war dann das farbliche Gegenstück, eingefasst von Glas- und Be-tontürmen. Grau, kahl, trostlos, betoniert eben. Kein Platz zum Verweilen, kein Ort der Kommunikation. Eigentlich überhaupt kein Ort, nur eine immense temporäre Bau-lücke um darüber zu eilen. Das Terrain also, auf dem Erdogan und seine Investoren die nächste gigantische Shopping-Mall errichten wollen. Über dieser trostlosen Szenerie eine überdimensionierte rote Flagge mit dem weißen Halbmond. Der Staat in allmächtiger Präsenz. Darunter ein desolates Verkaufswägelchen für Sesamkringel. Irgendwie unwirklich, eher folkloristisch in dieser stadtplanerischen Wüste.

Und dann die Konsumpaläste und Hotels in Beyoglu. Neben „Starbucks" geht's in die Istiklal Caddeshi. Eine multikulturelle Gemeinschaft schiebt sich kilometerweit die Einkaufsmeile hinunter Richtung Galata, bepackt mit Einkaufstüten auf denen die Logos der Handelsketten prangen. Marmorpaläste, Glasfassaden, Tempel der Eleganz. „Zwarkowski", „Apple", „Lewis", „Mawi" oder „Coco Chanel".

Taksim, Dolapdere und das Tarlabashi-Viertel in direkter Nachbarschaft zeigen dann ein ganz anderes Gesicht, düstere Gassen, verwitterte Reklameschilder, improvisierte Läden oder temporäre Verkaufsstände unter zerbröckelnden Fassaden, vor zerschlagenen Fenstern und abblätterndem Verputz. Bauzäune, Abbruch-Terrains, verhängte Fassaden.

Mit seinen Fotos hat Frank Albrecht versucht, den Wandel in und um Beyoglu festzuhalten, jenen Moment, bevor alles verschwunden ist und dem Neuen gewichen ist. Dieser Wandel, der sich in den zerfallenen Häusern, den Baulücken und zerstörten Fassaden zeigt, dort, wo sie immer noch beinahe verzweifelt das nachbarschaftliche Geschäftsleben aufrecht erhalten, für einen letzten Augenblick. Gemüseauslagen auf dem Gehweg, Lebensmittelläden.

Frank Albrechts Fotos sind Momentaufnahmen. Es sind keine Kunstfotos, in denen nostalgische Ansichten gezeigt werden sollen, keine malerischen Anblicke einer Ästhetik des Zerfalls. Ganz bewusst sind es Aufnahmen, die „wehtun" sollen.

Letztlich steht Istanbul beispielhaft für viele Städte, die in einem rapiden Wandel begriffen sind, der sich durch Entkernung, Entmietung und Bau- und Bodenspekulation ausdrückt.