Günther Kressl MOOR-AKT and more

03/06/2016 bis 16/07/2016

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

03.06.2016 um 19:30 Uhr | alle Räume

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Die Villa Ichon in Bremen zeigt unter dem Titel „Moor - Akt - and more “ Arbeiten von Günther Kressl (Dr. med., geb. 1934 in Leer/ Ostfriesland., von 1967 – 1991 niedergelassener Augenarzt).

Mit der Musik fing Anfang der 50 er Jahre alles an. Der Berufswunsch des Künstlers war damals Komponist. Neben der Schule absolvierte er ein intensives Privatstudium theoretischer und praktischer Musik. Zahlreiche Kompositionen entstanden, von denen einige zur Aufführung kamen. Eine zunehmende sogenannte Synästhesie zwang ihn jedoch dazu, sich weiteren künstlerischen Gebieten kreativ zuwenden zu müssen, was zum Abbruch des Musikstudiums führte. Hinzu kam noch die Erkenntnis, dass Kunst allein ihren Mann nicht ernähren kann. Ein „Zweitberuf “ war der Kompromiss.

Es war im Sommersemester 1958 in Wien, als diese Stadt wie der brodelnde Tiegel eines Gesamtkunstwerkes ( Decadence, Erotik, Absurdes Theater, Manierismus, 12-Ton-Musik u.v.m.) über ihn hereinbrach und ihm seine eigene Identität wie unter einem Brennglas erkennen ließ. In der Folgezeit wurde die ganze Palette der Kunst „bedient“: Lyrik, Prosa, Theater, Hörspiel, bildende Kunst, Komposition, Rundfunk,  und das nicht nur in der „Spielart“ der jeweiligen „Gewerke“, sondern in einer  collagenartigen Vernetzung aller Bereiche.
 

Als Hauptthematik kristallisierte sich MOOR (Werden und Vergehen), AKT (oft als Torso) und GESICHT (Suche nach einem Du) heraus, wobei es nicht um Abbildung einer topographischen Landschaft, nicht um ein konkretes Aktmodell ging, nicht um Illusion, sondern um Metapher, Vision, Imagination.

Arbeiten zu diesen Themen, u.a. als Radierung, Holzschnitt und auf Packpapier - dieses versehen mit Gebrauchsspuren wie Adresszettel, Briefmarken, Klebestreifen, zerknittert, gerissen, kollagiert, bilden  einen Schwerpunkt der Ausstellung.

Einen weiterer liegt in Auszügen der  zahlreichen Grafik- Lyrik-Zyklen und  Künstlerbücher. Wort und Bild  in unterschiedliche künstlerische Disziplinen  zusammenzuführen, ist ein Hauptanliegen von Günther Kressl.

Er sieht sich nicht als NUR- Grafiker, -Lyriker, -Fotograf, - Komponist, u.a.m. sondern als Collagist, der das weite Feld der Kunst „beackert“.
Mag die Vielfältigkeit seiner künstlerischen Ausdrucksformen anfänglich verwirren, so wird das Gesamtoeuvre zusammen gehalten durch ein- und dieselbe Quelle der Inspiration. Perfektion wird nicht angestrebt, um den Charme des Unvollkommenen nicht zu gefährden.

Eine rege Ausstellungstätigkeit, die Mitarbeit an weit über einhundert Anthologien, sowie die Dozententätigkeit an der Kunstschule (Kunstverein Achim e.V.) soll zur Kommunikation und zum Dialog in Sachen Kunst beitragen.