Kunstaustausch - Topografie Bremer Kulturen - Teil III

28/01/2012 bis 03/03/2012

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

27.01.2012 um 18:00 Uhr | in allen Räumen

kreuzweb

In Bremen leben viele Künstlerinnen und Künstler, die ursprünglich aus anderen Kulturregionen Europas und der Welt stammen. Diesen Künstlerinnen und Künstlern ist das Projekt „Kunstaustausch - Topografie Bremer Kulturen" gewidmet. Sie sind Subjekt in diesem Kunstspiel und entwickeln mit Kolleginnen und Kollegen deutschen Ursprungs gemeinsame Projekte.

Eröffnung

"Kunstaustausch - Topografie Bremer Kulturen - Teil III"
am Freitag, den 27.01.2012 um 18.00 Uhr in der Villa Ichon.

Begrüßung: Lothar Bührmann (künstlerischer Leiter der Villa Ichon)
Einführung: Libuše Černá, Vorsitzende Bremer Rat für Integration, Tilman Rothermel, Kurator

Ausstellung der Kooperationsprojekte von
Ahmad Motiee - Jens Weyers, Eugenia Gortchakova - Kerstin Drobek, Gloria del Mazo - Dolf Bissinger, Hossein Razagi - Tilman Rothermel, Martin Koroscha - Annemarie Strümpfler, Pirjo Niiranen - Irmgard Wierichs, Reynaldo Ari K'akachi - Eva Matti.

Ausstellung bis 03.03.2012


Es geht um einen Perspektivwechsel (z.B.: Film „PerspektivWechsel" Nadja Rahal, buero@nadjarahal.com), Vielfalt und Andersartigkeit als Wesensmerkmal einer modernen Gesellschaft, es geht um die Betonung der Potentiale und nicht der Defizite. Diese Potentiale werden in verschiedenen Ausstellungen gezeigt und zusammen mit Diskussionen, Lesungen, Veranstaltungen wird dieses Projekt ein deutliches Zeichen setzen im kulturpolitischen Kontext.

Das Vorhaben:

Nach bereits drei Ausstellungszyklen in den Jahren 2008, 2009 und 2010 ist das Ziel des Ausstellungsprojektes im Jahre 2011 mit dem Titel: „Kunstaustausch - Topografie Bremer Kulturen", in einer offenen Ausschreibung mit anschließender Jurierung im Raum Bremen Künstlerinnen und Künstler mit migrantischem Hintergrund zu finden, die jeweils ein Projekt mit einer deutschen Kollegin oder einem Kollegen entwickeln wollen.

Es werden insbesondere die Künstlerinnen und Künstler angesprochen, die bereit sind, das Thema der Mehrkulturigkeit - oder einer anderen adäquaten Form der Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex - in ihrem Werk sichtbar werden zu lassen. Von ihrem gewählten künstlerischen Partner wird erwartet, dass dieser sich mit der Position des Gastgebers auseinandersetzt und in überzeugender Form darauf einzugehen bereit ist.

Das Ziel dieser Ausschreibung ist es zum einen die Dialogbereitschaft zwischen Künstlern zu unterstützen und zweitens den Spieß herumzudrehen: die eingeborenen Deutschen interessieren sich für die Sichtweisen, die Anliegen, die Ausdrucksformen ihrer ausgeborenen Kolleginnen und Kollegen, Integration wird zu einem reziproken Prozess.

Dabei geht es ebenso um die Frage, wie sich die eigene Kultur mit der fremden verbindet, wie sie sich unterscheidet, wie sich die Künste befruchten und wie sich das künstlerische Anliegen im Kontext des Kunstschaffens entwickelt. Für die Künstlerinnen und Künstler ist dieses Projekt ein Anlass sich genauer mit dieser Thematik zu beschäftigen, eigene Lösungen zu finden, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und so Zukunft zu gestalten.

Ausgangsposition:

2008/2009 fand im Bamberger Haus während des Herbst/Wintersemesters die Ausstellung „InBetween" statt. Das Semesterthema der Bremer VHS lautete damals „Integration". Diese Ausstellung zeigte 16 vom Kurator Tilman Rothermel ausgewählte „internationale" Künstlerinnen und Künstler, die alle in Bremen oder der näheren Umgebung lebten. Durch zwei Begleitveranstaltungen gab es bereits 2008 eine lockere Anbindung an die „Globale°, Festival für grenzüberschreitende Literatur". Dieses Festival stellt Schriftstellerinnen und Schriftsteller vor, die aus anderen Kulturen kommend, auf Deutsch ihre Texte schreiben. Dieses Literaturfestival findet seit 2007 jährlich statt, so dass es nahe lag, 2009 diese Kooperation zu intensivieren. So wurde im Herbst 2009 im Rahmen des Literaturfestivals „Globale°" die Ausstellung „Gebetene Gäste" durchgeführt, die an drei Orten (Senator für Kultur, Radio Bremen und Jacobs University) zu sehen war. Zehn Kunstschaffende haben daran teilgenommen. Die Auswahl - und damit das Thema - ergab sich daraus, dass 5 der an der Ausstellung „InBetween" teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler jeweils eine weitere Künstlerpersönlichkeit eingeladen haben. 2010 wurde die nächste Ausstellung für alle im Bremer Raum erreichbaren Künstlerinnen und Künstler mit migrantischem Hintergrund offen ausgeschrieben. Eine Jury wählte 18 Positionen aus, die an zwei Ausstellungsorten (Villa Ichon und Senator für Kultur) jeweils zu neunt gezeigt wurden. Die erste Ausstellung fand zeitgleich mit der Bremer Integrationswoche, die zweite mit der Globale° statt. Zwei der teilnehmenden Künstler veranstalteten Workshops im Rahmen der Volkshochschule, die Ergebnisse wurden zeitlich zwischen den beiden anderen Ausstellungen in einer dritten Ausstellung „Mittendrin - leben in einem Land der vielen Kulturen" im Bamberger Haus gezeigt. Alle Ausstellungen dieses Projektes wurden begleitet von Veranstaltungen, Filmvorführungen, Lesungen, die das Thema weiter zu vertiefen halfen. Es ging um die Bedeutung von Kunst und Kultur in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft, um Öffentlichkeit, Austausch und Begegnung. Für die Ausstellung 2010 konnte auch erstmalig ein 44-seitiger Katalog herausgegeben werden.

Kontext:

Für die Betrachter bedeutet das Vorhaben die Herausforderung, jenseits vom geschmeidigen „Internationalismus" globalisierter Kunst, ganz persönliche Lebenswege zu befragen und sich intensiver mit der Idee zu beschäftigen, wie fremde künstlerische Positionen das eigene Bewusstsein von Welt beeinflussen und möglicherweise verändern können. Die Arbeiten werden ein lebendiges Zeichen sein von gelebter Kooperation zwischen migrantischen und einheimischen Bürgern unserer Stadt und Zeugnis geben von dem Konzept einer dialogischen Integration.

Dazu braucht es über die Ausstellungen hinaus geeignete Maßnahmen wie vorbereitetes Textmaterial, Einführungen, Führungen, Vorträge und Diskussionen. Wichtig ist die Anbindung an ein erweitertes Konzept, wie das der Globale°, Festival für grenzüberschreitende Literatur und spezielle Angebote der VHS.

partizipatives Modell:

Die Begleitveranstaltungen sollen die politische Dimension von ausheimischem Kulturverständnis sichtbar machen, sollen zeigen, dass viele Kulturen unter einem Dach sich nicht behindern, dass Kultur immer auf Austausch und Diskussion und darin auf einem Konsens aller beruht, die sich im kulturellen Prozess befinden, und wie ein antiquiertes Konzept einer Leitkultur letztlich zur Verkrustung statt zu einer kulturellen Lebendigkeit führt.

Geplant sind im diesem Kontext Lesungen, Musik- und Filmveranstaltungen, die folkloristische Rezeptionshaltungen vermeiden, dies wird gefördert mit Angeboten zur Diskussion und Reflektion, wie moderierte Gespräche über die kulturellen Ursprünge, die Rezeptionsweisen im fernen Heimatland, über Verbindungslinien zu einheimischen Traditionen und über die Geschichte unserer Länder als eine Geschichte von Völkerwanderungen und Migration: „ Ohne Multikulti gäbe es keine deutsche Kultur. Die Minnesänger waren Multikulti, Goethe war es, wie auch Franz Kafka und Paul Celan, ebenso wie Dürer und Baselitz oder Mozart und Roberto Blanco." Illija Trojanow

Diskussionsforen und Gespräche mit KünstlerInnen verschiedener Genres sind ebenso geplant, wie der Dialog zwischen verschiedenen Künsten und Kulturen. Diese Diskussionsveranstaltungen werden dazu als Internetblog weiter entwickelt.

Weiter werden über die Bremer VHS Workshops angeboten, die sich an TeilnehmerInnen richten, die zusammen mit Künstlern des Projektes eigene Positionen erforschen und sich bewusst dem möglichen Widerspruch unterschiedlicher Kulturauffassungen aussetzen. Bildung und Teilhabe sind Menschenrechte, bedingen sich gegenseitig und sind die Voraussetzung für das Experiment einer offenen Gesellschaft. Zwei bildkünstlerische Workshops und eine Schreibwerkstatt sollen dazu angeboten werden und dazu dienen, die Diskussion zu verbreitern, kulturelle Vielfalt zu erhalten und zu fördern.

Im Rahmen der Ausstellungen selbst werden sowohl bei der Vernissage als auch bei der Finissage musikalische und literarische Elemente den Blick schärfen für die Reichhaltigkeit unserer Kulturen in einer offenen Gesellschaft. Und überall gilt das Grundmotto dieses Projektes: Die einheimischen Eingeborenen lenken den neugierigen Blick im akzeptierenden Dialog auf die mehrheimischen Fremdländerinnen und Fremdländer.

Ausstellung und Programm:

Das gesamte - zweiteilige - Projekt umspannt den Zeitraum vom 1. September 2011 bis 30. März 2012.

Erstes Teilprojekt:

Zwei Ausstellungen werden in der Zeit vom 28. Oktober bis zum 1. Dezember 2011 stattfinden, dabei ist der Termin des ersten Teilprojektes ist auf den Zeitpunkt hin bezogen, an dem die „globale°" stattfindet (November 2011), dieses ist für das Ausstellungsprojekt und ebenso für die globale° ein wesentlicher Faktor. Vom 28.10. bis zum 6.11. werden in beiden Räumen der GALERIE am schwarzen meer die Projekte vorgestellt in ihrem dann aktuellen prozessualen Charakter. Zwei Lesungen im Rahmen der globale° werden diese Ausstellung markieren: am 31.10. wird Angelo Collagrossi in Raum2 der GALERIE am schwarzen meer als „soft opening" die globale° eröffnen, am 6.11. wird ein noch zu bestimmender (wahrscheinlich kroatischer) Schriftsteller während einer Matinee lesen. Danach wird mit ihm und einigen der ausstellenden KünstlerInnen ein moderiertes Gespräch stattfinden zum Thema „kulturelle Identität".

Die VHS wird in ihrem Programm den Ausstellungszyklus begleiten: Kurse und Workshops werden zum Thema durchgeführt und ergeben dann die Werke und Resultate, die im Kontext des Projektes vom 8.11. bis zum 1.12. 2011 im Bamberger Haus in einer repräsentativen Ausstellung gezeigt werden. Die Erfahrung aus dem Jahr 2010 zeigte, dass dieses Vorhaben außerordentlich erfolgreich war. Auch in diesem Rahmen sind mehrere Begleitveranstaltungen geplant.

Zweites Teilprojekt:

Die zweite Phase ist dann den Projekt-Ergebnissen gewidmet. Eine erste Ausstellung wird am 10. 1. 2012 in den Räumen des Senators für Kultur stattfinden, bei der sich alle teilnehmenden KünstlerInnen mit ihrem Werk vorstellen. Am 15.1. ist die Ausstellungseröffnung in der „Spedition", bei der vorwiegend Installationen und plastische Arbeiten der Kooperationsgruppen gezeigt werden.

Am 27.1. wird bis zum 17.2. 2012 in der Villa Ichon die fünfte und letzte Ausstellung gezeigt. Hier dann besonders flächige Arbeiten. Eine größere Veranstaltung mit Film, Musik und Diskussion zum Gesamtprojekt wird im Rahmen der Finissage in der Villa Ichon stattfinden.

Mediale Aufarbeitung:

Website:

Die Ausstellungen und das Begleitprogramm wird im Internet auf der bereits eingerichteten Site www.resonanzen-bremen.de präsentiert. Wenn möglich in einer 3-D Performance, die einen
virtuellen Rundgang durch alle Ausstellungen simuliert. Dabei wird verschiedenes Textmaterial akustisch und visuell ansteuerbar sein. Für alle Veröffentlichungen soll die gesellschaftspolitische
Thematik und die kulturpolitische Diskussion als Leitfaden dienen. Damit soll dem besonderen Gewicht des Vorhabens eine überregionale (im besten Fall internationale) Präsenz ermöglicht werden.

Katalog:

Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen, der nicht nur die Ausstellungen von 2011/12 dokumentiert, sondern darüberhinaus auch die Ausstellungen der Jahre 2008, 2009 und 2010. Dadurch ergibt sich ein Bild der multikulturelle Kunstszene Bremens, die ca. 40 Künstler und Künstlerinnen umfassen wird.

Film:

Ein Film wird erstellt, der den Prozess innerhalb der einzelnen Gruppen thematisiert. Der Film wird als DVD dem Katalog beigelegt oder auch separat vertrieben.

Presse und Medien:

Mit einer intensiven Pressearbeit wird das Gesamtprogramm und die einzelnen Veranstaltungen in geeigneter Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, dass das Vorhaben und die Veranstaltungen überregional der Presse und den Medien zugänglich gemacht und beworben werden. Im Kontext der aktuellen Integrationsdebatte ist davon auszugehen, dass dieses Projekt in seiner Besonderheit erkannt und somit einen wichtigen Beitrag leisten wird zur Darstellung des Integrationsprofils der Freien Hansestadt Bremen.

Die Diskussionsveranstaltungen, aber auch die anderen Begleitprogramme werden aufgezeichnet und ebenfalls als DVD dokumentiert.

Kooperationspartner:

Funkhaus Europa, globale°, Jacobs University, Literaturkontor, Heinrich Böll Stiftung, Filmbüro Bremen, VHS Bremen, Senator für Kultur, Bremen, Städtische Galerie Bremen, center TV.
Förderer: Freunde und Förderer der Villa Ichon in Bremen e.V., Bremer Landesbank, Senator für Kultur Bremen, Bremer Rat für Integration, Heinrich Böll Stiftung, pro-tisk.

Veranstalter und Organisation:

Seit dem Jahr 2009 wird die Ausstellungsreihe durch die pro-tisk - Agentur für internationalen Kulturaustausch durchgeführt (Geschäftsführerin: Libuse Cerna, Kurator: Tilman Rothermel). Diese Agentur wurde 2010 vor allem wegen ihres Wirkens im Hinblick auf die Deutsch-Tschechischen Kulturaustausch-Projekte mit dem „einheitspreis 2010" der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Für das Jahr 2011 sind wir in der glücklichen Lage, Frau Dr. Almut Schwerd, die langjährige Leiterin der Abteilung Kulturelle Weiterbildung der VHS Bremen, für das Team von pro-tisk zu gewinnen. Eine weitere Fachkraft wird über die Dauer des Projektes und in der Vorbereitungsphase von pro-tisk mit einem Halbtags-Vertrag eingestellt. Diese Kraft ist für die gründliche Hilfe bei der Vorbereitung, der Pressearbeit, der Bewerbung, für Fundraising, für die organisatorische Unterstützung während des Projektes, der online-Betreuung und für die Dokumentation zuständig.

Tilman Rothermel