Marietta Armena - der Blick in den Abgrund

07/08/2015 bis 19/09/2015

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

07.08.2015 um 19:30 Uhr | Alle Räume

Hinter dem Vorhang Tusche auf Papier.100 X 70 cm. 2007

Ausstellung vom 7.08.2015 - 19.09.2015

DER BLICK IN DEN ABGRUND

„Der Blick in den Abgrund", so lautet der Titel einer Ausstellung von Marietta Armena in der Villa Ichon am Goetheplatz 4 in Bremen. Eröffnung am 7. August um 19.30 Uhr.

Die Künstlerin präsentiert überraschende Assoziationen zu den Themen Krieg und Frieden - ihr Ausgangspunkt dabei ist der türkische Völkermord an den Armeniern und den anderen christlichen Minderheiten im osmanischen Reich in den Jahren 1915/16. Gerade in diesen Wochen jährt sich der Auftakt zu diesem grausamen Menschheitsverbrechen, dem drei Millionen Menschen zum Opfer fielen und das allzu lange auch hierzulande verschwiegen und verleugnet wurde, zum 100. Male.

Marietta Armena: „Nur in aktiver Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte werden wir wahren Frieden schaffen und bewahren. Kunst ist immer kompromisslos, Kunst spiegelt Wahrheit - darin liegt ihre Frieden stiftende Kraft: Nur wenn wir uns der Wahrheit öffnen, werden wir Versöhnung zulassen können. In Wahrheit und Versöhnung liegt die Kraft, die tiefe Kluft zu schließen - die Kluft zwischen Tätern und Opfern, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen denen, die sich alles genommen, und denen, die alles verloren haben." Die Ausstellung zeigt Grafiken, Druckgrafiken und eine Rauminstallation.

Die Künstlerin klagt nicht an, an keiner Stelle identifiziert sie Täter oder Opfer, Mittäter oder Mitwisser. Sie verortet das Grauen im Jahre 1915, aber sie meint das Grauen, das bis heute in dieser Welt zu Hause ist, in Ruanda, in Syrien, in Ägypten, in Mexiko oder in der Ukraine. Seit 70 Jahren haben wir Frieden in Deutschland - aber wie viele Kriege werden gerade jetzt, heute, in dieser Welt geführt? Krieg und Frieden, das ist das Thema, das ist der Grundgedanke hinter dieser Ausstellung. Die Künstlerin erweitert ihre Fragestellung vom Konkreten zum Allgemeinen. Die Grauen des 1915er Völkermords lassen sie Fragen stellen an Gegenwart und Zukunft - und an den Betrachter: Wie gehst Du um mit dem millionenfachen Morden in der Welt? Gestern, heute, morgen?

Ein beherrschendes Motiv dieser Ausstellung ist die Friedenstaube. Verletzt, zerrupft, blutend. Diese Friedenstaube, wird sie wieder fliegen können? 


Im Rahmen der Ausstellung von Marietta Armena gibt es im September drei Begleitveranstaltungen:

BEGELEITVERANSTALTUNG 1:

EIN ABEND FÜR ARMENIEN

Mittwoch, 9. September 2015 um 19.00 Uhr | Raum 5

Mit Helmut Donat - Donat Verleg, Wolfgang Klose - Journalist und Jochen Mangelsen - Autor
In der Ausstellung „Der Blick in den Abgrund" werden von der Künstlerin Marietta Armena Krieg und Frieden, Völkermord und Flucht zum Thema gemacht. Anläßlich des 100. Jahrestages des Völkermords an den Armenien und anderer christlichen Minderheiten durch das Osmanische Reich in den Jahren 1915/16 findet eine Lesung zu den Armeniern am 9. September statt. Der Verleger Helmut Donat, der Journalist Wolfgang Klose und der Autor Jochen Mangelsen lesen Texte, in denen sie ihre Zuhörer in ein Land entführen, das seinen Weg aus einer tragischen Geschichte in eine freie und friedliche Gegenwart und Zukunft sucht.

BEGLEITVERANSTALTUNG 2

LESUNG mit Doğan Akhanli, Rudolph Bauer und Inge Buck

Dienstag, 15. September 2015 um 20 Uhr | Raum 5

Mit dem Musiker Mohsen Nejadi Kakavand (Trommeln)

Der Blick in den Abgrund", so lautet der Titel der Ausstellung von Marietta Armena. Ihr Ausgangspunkt ist der türkische Völkermord an den Armeniern und den anderen christlichen Minderheiten im osmanischen Reich in den Jahren 1915/16, dem drei Millionen Menschen zum Opfer fielen und der sich in diesen Wochen zum 100. Male jährt. Krieg und Frieden, das ist der Grundgedanke hinter dieser Ausstellung. Die Künstlerin klagt nicht an, an keiner Stelle identifiziert sie Täter oder Opfer, Mittäter oder Mitwisser. Sie verortet das Grauen im Jahre 1915, aber sie meint auch das Grauen, das bis heute in dieser Welt zu Hause ist, in Ruanda, in Syrien, in Ägypten, in Mexiko oder in der Ukraine. Ein beherrschendes Motiv dieser Ausstellung ist die Friedenstaube. Verletzt, zerrupft, blutend. Diese Friedenstaube, wird sie wieder fliegen können?

Doğan Akhanli, Rudolph Bauer und Inge lesen aus ihren Werken ausgewählte Texte zu Krieg und Frieden

Doğan Akhanli, *1957 in der Türkei , ging nach dem Militärputsch von 1980 in den Untergrund. Von 1985-1987 war er als politischer Häftling im Militärgefängnis von Istanbul inhaftiert. 1991 floh er nach Deutschland, wurde als politischer Flüchtling anerkannt und 1998 von der Türkei ausgebürgert. 2001 wurde er deutscher Staatsbürger. Seit Mitte der 90er Jahre lebt er als Schriftsteller in Köln.
Doğan Akhanli liest aus seinem Theaterstücks „Annes Schweigen" ausgewählte Texte »Wenn ich an Anne denke, sehe ich am Himmel die Kraniche kreisen.« So beginnt der Monologtext, der das Leben der in Deutschland aufgewachsenen Türkin Sabiha erzählt, die auf der Haut ihrer toten Mutter Anne ein tätowiertes armenisches Kreuz entdeckte. Eine Suche jenseits der Klammer des Schweigens, nach Erinnerungen, für die es keine Sprache gibt.

Inge Buck, *1936 in Tübingen, war als Redakteurin in der Hörspielredaktion des Deutschlandfunks in Köln und von 1972 bis1998 an der Hochschule Bremen als Kulturwissenschaftlerin tätig. Sie schreibt Lyrik und Kurzprosa, Hörfunk-Features und Hörbilder, hat Biographien und Anthologien herausgegeben und mehrere Lyrik-Bände veröffentlicht. Im Herbst 2015 erscheint mit ihr als Herausgeberin die Lyrik-Prosa- Anthologie „Aus dem Gepäck der Kriegskinder im Zweiten Weltkrieg".
Inge Buck liest aus ihren Lyrik-Bänden „Oktoberlicht" (2014) und „Unter dem Schnee"
( 2015).

Rudolph Bauer, *1939 in Amberg/Oberpfalz , ist Politikwissenschaftler, Bildender Künstler und Lyriker. Von1972 bis 2002 war er an der Universität Bremen tätig war. Neben seinen schriftstellerischen Veröffentlichungen publiziert er wissenschaftlich: zuletzt als Autor die Broschüre "Wir befinden uns mitten im Krieg. Militarisierung im Digitalen Zeitalter" (Bremen 2014) und als Herausgeber den Band "Kriege im 21. Jahrhundert. Neue Herausforderungen der Friedensbewegung" (Annweiler am Trifels 2015).
Rudolph Bauer liest aus seinen Lyrik-Bänden "SchutzSchirmSprache" (2010 mit Cartoons von Lothar Bührmann) und "Flugschriftgedichte" (2013).
Veranstalter: Bremer Literaturkontor

BEGLEITVERANSTALTUNG 3

Amnesty International lädt ein
über die Aufarbeitung der Verbrechen in Ruanda 1994 im Rahmen der Ausstellung

„Der Blick in den Abgrund" von Marietta Armena.
Donnerstag, 17. September um 19 Uhr | Raum 5
Das Thema der Veranstaltung ist „Der Völkermord in Ruanda 1994 - Herausforderungen bis heute"

Es spricht: Susanne Baldin, Amnesty International, Berlin

Susanne Baldin beschäftigt sich für Amnesty International (AI) seit vielen Jahren mit der Menschenrechtsituation in Ruanda. Sie ist die Sprecherin der Koordinationsgruppe von AI, die zu Ruanda arbeitet. AI beschäftigt vor allem, dass viele Täter des Völkermords an den Tutsi von 1994 immer noch straffrei in Ruanda leben oder sich einer Strafverfolgung in die Nachbarländer entzogen haben. Amnesty International fordert, dass der Völkermord endlich aufgearbeitet wird und die Täter dieser Verbrechen vor Gericht gestellt werden. Auch die Menschenrechte auf Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit werden in Ruanda bis heute erheblich verletzt.