Resonanzen - Bremer Kulturen I

13/08/2010 bis 03/09/2010

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

12.08.2010 um 19:30 Uhr | in allen Räumen

Paida 2009web

Marguerite Belot, Frankreich
Armand de Bussy, Peru
Fita Chagas, Brasilien
Nabiha Dahhan, Vater: Syrien
Eugenia Gortchakova, Russland
Maria Mathieu, Frankreich
Antonio Velasco Munoz, Spanien
Amir Omerovic, Bosnien-Herzegowina
Paida, Norwegen

 
Ausstellung vom 13. August bis 3. September 2010

Zur Ausstellungseröffnung "Resonanzen - Bremer Kulturen I" am
Donnerstag, den 12. August 2010 
um 19:30 Uhr sind Sie und Ihre Freundinnen und Freunde herzlich in die Villa Ichon eingeladen.

Es begrüßt Lothar Bührmann.
Es eröffnet Tilman Rothermel.

Führungen, 17.08. u. 19.08.2010 jeweils 16Uhr | Filmabend, 24.08.2010 19:30Uhr

Die Ausstellung „Resonanzen – Bremer Kulturen“ ist in zwei Teilen zu sehen: die erste Ausstellung  findet vom 12.8.2010 bis 3.9.2010 in der Villa Ichon (Goetheplatz 4, 28203 Bremen) statt. Anschließend ist der zweite Teil vom 28.10.2010 bis 16.12.2010 in den Räumen des Senators für Kultur (Altenwall 15-16, 28195 Bremen) zu sehen.
Ganz im Sinne des Themas „Resonanzen“ sind die Termine so gewählt, dass während der Ausstellung in der Villa Ichon auch die Integrationswoche Labskaus vom 15.08.2010 bis 21.08.2010 in Bremen stattfindet. Die Ausstellung beim Senator für Kultur ist parallel zum  Globale° – Literaturfestival für grenzüberschreitende Literatur.

 

Seit mehreren Jahren entwickeln wir - Almut Schwerd und ich - eine Ausstellungsreihe, die den Künstlerinnen und Künstlern gewidmet ist, die aus den unterschiedlichsten Ländern kommend, sich in Bremen niedergelassen haben, um hier ihre Kunst zu machen.
Das Konzept der Ausstellung kann man so umschreiben: Wir wollen zeigen, dass es einen großen Reichtum darstellt, mit Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Bezügen zusammenzuarbeiten. Wir wollen damit sichtbar machen, was in der Differenz oder auch in der Übereinstimmung an produktiven, sicherlich auch kreativen Kräften freigesetzt werden kann, wenn man aufeinander zugeht und das Fremde, das Andere als etwas ganz wesentlich Bereicherndes erlebt.
Ohne Zweifel - und das war im Vorfeld der Überlegungen auch immer das Thema - sind Künstlerinnen und Künstler nicht auf ihre Nation, auf ihre „Heimat" zu reduzieren. Kunst hat andere Wurzeln als den engen Raum der Herkunftsregion. Kunst ist überregional, ja international. Doch möchte ich dieser Tatsache einen anderen Gesichtspunkt gegenüberstellen:
Im Kunstdiskurs spricht man gerne von der „Position", die ein Künstler hat. Die Position ist an einen genau bestimmbaren Ort gebunden und damit unverwechselbar.  Es ist wie der Punkt auf einem Blatt Papier. Dieser Ort kann nur die Position eines Einzelnen sein, kein zweiter kann die gleiche Position einnehmen, ohne den anderen zu vertreiben. Sie bedeutet Stabilität und Festigkeit. Mit dieser Position verbunden sind die Bedingungen, die dazu führen, dass man diese Position hat: Kultur, soziale Herkunft, die Heimat vielleicht. Es sind Gegebenheiten, aus denen eine besondere Art der Wahrnehmung resultiert. Von einer bestimmten Position aus sieht man die Dinge in einer unverwechselbaren Weise.
Bei dem Konzept „Resonanzen" geht es darum, den Klang der eigenen künstlerischen Position und die Wechselbeziehungen mit der neuen Kultur, der man sich als künstlerischer Mensch gegenüber sieht deutlich zu machen. Kulturelle Abschottung ist Gift für eine kritische Wahrnehmung.

Tilman Rothermel (Kurator der Ausstellung)


Silja Oestreich:

„Resonanzen – Bremer Kulturen“


Der Begriff der Resonanz wird vielfältig verwendet. Man spricht von Resonanzen in  Physik und Technik, in der Chemie, aber auch in der Musik. Erst durch einen Resonanzkörper kann eine Gitarre oder eine Violine den Ton zum Klingen bringen. Abseits von der technischen Betrachtungsweise können Resonanzen auch auf gesellschaftliche Phänomene bezogen werden. Eine neue Idee kann auf Resonanz stoßen, ebenso eine laut gewordene Forderung. Egal in welchem Kontext, mit Resonanz ist immer ein Mitschwingen gemeint, ein Nachklingen, ein Echo.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich der Titel „Resonanzen – Bremer Kulturen.“ Die Ausstellung nimmt sich genau diesem Phänomen an und zeigt Resonanz auf als einen Widerhall unterschiedlicher Kulturen in der bildenden Kunst. Die Werke, die man in dieser Ausstellung sieht, sind Resonanzen in Bezug auf kulturelle Identität. Viele setzen sich mit Themen wie Heimat, Ankunft, aber auch Zurückschauen und Erinnerung auseinander. Bei anderen Arbeiten ist die Resonanz verhaltener, doch auch hier geben erst die Schwingungen aus verschiedenen Quellen den Klang, den das Kunstwerk auszulösen vermag.
Das Projekt „Resonanzen – Bremer Kulturen“ ist die Zusammenführung achtzehn verschiedener Künstlerinnen und Künstler aus fünfzehn verschiedenen Nationen. Alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie leben in Bremen und Umgebung, sind jedoch auch in oder mit einer anderen Kultur aufgewachsen. Das Projekt ist für sie Anlass, sich mit dieser ihr Schaffen in großen Teilen bestimmenden Thematik auseinander zu setzen.
Sehr unterschiedliche Wege der Annäherung werden in Form von Bildern, Skulpturen und Installationen gezeigt.
Bei der Betrachtung der einzelnen Werke offenbart sich ein Ich, das Gesellschaft beobachtet, analysiert, verarbeitet und dabei eine ganz eigene Perspektive auf die Gegenwart preis gibt. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Momenten, Situationen und Erinnerungen führt zu häufig überraschenden Formen des Weitertragens und der Integration unterschiedlicher Wurzeln, zu einer Verschmelzung verschiedener Einflüsse und Hintergründe. Diese Verschmelzung ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Oft erschließt sich dem Betrachter erst durch Kenntnis der Biographie der Künstlerinnen und Künstler eine weitere Bedeutungsebene.
Die Motive, die Auslöser für den Prozess der Auseinandersetzung sind, sind dabei so unterschiedlich wie die Künstler selbst. Bushaltestellen, Landschaften, Familienfotos, Verkehrsschilder, historische Figuren und Alltagssituationen werden zum Mittelpunkt der künstlerischen Arbeiten. Begriffe wie Heimat, Fremdheit aber auch Neugier werden dabei mit neuen Inhalten gefüllt und durch die gegenwärtige Perspektive auf das Thema neu definiert.

Die Künstlerinnen und Künstler haben dabei ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Es gibt die Position, die die eigene Kultur direkt mit der fremden verbindet, es gibt die Position, die die eigene Kultur den Bremern oder denen die es sehen wollen aufzeigt, mit Stolz. Es gibt die Künstler, die hierher gekommen sind auf Grund politischer Verhältnisse, Flucht und magische Vergegenwärtigung spielen hier eine Rolle, Oder die Metaphern, die verweisen auf den Zustand des Wartens, des Abwartens, des Erwartens. Dann die pure Neugier, sich mit dem Formenreichtum, den man hier vorfindet zu beschäftigen, oder Formeln zu finden für die Virtualität der entfernten eigenen Welt, rekonstruiert oftmals mit Hilfe von fotografischem Material. Dann gibt es die Äußerungen von Künstlerinnen oder Künstlern, die sichtbar machen, wie sie zwischen den Stühlen schwimmen, sie ihren Platz nicht finden können, oder die mit der Verfremdung von vorgefundenen Zeichensystemen arbeiten, um deren Brüchigkeit sichtbar zu machen. Jede Künstlerin und jeder Künstler, die hier ihre Werke zeigen, haben sich bewusst entschieden, bei diesem Projekt dabei zu sein. Und Bremen kann stolz darauf sein, dass diese Menschen sich hier einbringen und ihre Arbeiten vorstellen.Die Werke dieser Ausstellung sind Resonanzen des Lebens und Denkens multikultureller, vielleicht besser zweiheimischer Künstlerinnen und Künstler, die eine Antwort darauf geben, wie sich das Zuhause sein in verschiedenen Kulturen als Kunst- und Denkprinzip in zeitgenössische Kunst einschreibt. Als Resonanzkörper transportieren die Künstlerinnen und Künstler dieses Projekts durch ihren Blick von außen neue Töne in die Kultur der Gegenwart.

Die Ausstellung „Resonanzen – Bremer Kulturen“ ist in zwei Teilen zu sehen: die erste Ausstellung  findet vom 12.8.2010 bis 3.9.2010 in der Villa Ichon (Goetheplatz 4, 28203 Bremen) statt. Anschließend ist der zweite Teil vom 28.10.2010 bis 16.12.2010 in den Räumen des Senators für Kultur (Altenwall 15-16, 28195 Bremen) zu sehen.
Ganz im Sinne des Themas „Resonanzen“ sind die Termine so gewählt, dass während der Ausstellung in der Villa Ichon auch die Integrationswoche Labskaus vom 15.08.2010 bis 21.08.2010 in Bremen stattfindet. Die Ausstellung beim Senator für Kultur ist parallel zum  Globale° – Literaturfestival für grenzüberschreitende Literatur.