„Tilman Rothermel – Fragmente“

18/06/2015 bis 01/08/2015

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

18.06.2015 um 19:30 Uhr | Alle Räume

P1050480 Lithografische Werkschau aus 35 Jahren

Tilman Rothermel stellt in der Villa Ichon vom 18.6. bis zum 1.8. 2015 über 60 Lithografien aus. Ein Querschnitt durch sein Schaffen von 35 Jahren. Abstraktes und Figuratives, verschlüsselte Landschaften, minimalistische Portraits, der Zyklus zum Genozid in Armenien.

"Fragmente einer Geschichte"

nennt Tilman Rothermel seine Ausstellung, die seine Lithografien aus 35 Jahren zeigt. Es ist fast so etwas wie eine Retrospektive; aus seinem lithografischen Werk, das zum jetzigen Zeitpunkt etwa 150 Arbeiten umfasst, hat er ca. 60 ausgewählt. Diese Bilder machen seine ganz besonderen Schwerpunkte sichtbar.

Sein lithografisches Werk entstand immer an ganz bestimmten Punkten seiner Entwicklung, die Lithografien begleiten seine künstlerische und theoretische Arbeit fast wie ein Basso Kontinuo. Sie entstanden immer dann, wenn es notwendig war, eine Verdichtung oder auch einen Abschluss einer Arbeitsphase zu markieren. Sie sind im wahrsten Sinne Fragmente seiner eigenen Geschichte, aber wie Fragmente auch immer die Neugier auf das Ungebrochene, das Ganze möglich machen, so bilden die ausgestellten Werke auch immer eine Einheit, eine Bezugnahme zueinander und ein Spiel miteinander.

Dieses Miteinander ist auch durch die Technik bestimmt:

Der Künstler druckt seine Lithografien fast immer in der Werkstatt von Tomas Svoboda in Prag, einer der ersten selbständigen Werkstätten noch in der Zeit des "Sozialismus". Rothermel druckt dort seit dem Jahre 1979. Kennzeichnend für die Arbeiten, die aus dieser Werkstatt kommen - und dort sind etliche der wichtigsten tschechischen Lithografen "beheimatet" - ist der Druck von der Konterpresse. Mit dieser Presse kann man schnell und passgenau drucken, was erheblich dazu beiträgt, dass die Farbe bei dieser Technik voll zu ihrer Wirkung gelangt. 5-bis 8-farbige Lithografien sind bei Rothermel deswegen eher die Regel.

An manchen Stellen seiner Entwicklung verlässt Rothermel allerdings diesen Weg auch. Ganz besonders fällt der in der Villa Ichon gezeigte Zyklus "gekommen um zu schweigen" aus diesem Ansatz heraus. Es sind 16 Lithografien zum Thema Genozid in Armenien im Jahr 1915. Neben den eindrucksvollen, auf das Wesentliche reduzierten Darstellungen dieses leidvollen Massakers kommt es bei Rothermel darauf an, auch die Wucht dieses Geschehens in ungegenständlichen Formulierungen zum Ausdruck zu bringen. Rothermel hat diesen Zyklus schon vor etlichen Jahren geschaffen. Mit Gedichten armenischer Dichter verknüpft hat er daraus ein sehr eindrucksvolles Mappenwerk geschaffen - übrigens ist er der erste deutsche Künstler, der sich dieses Themas angenommen hat.

Zusammenspiel von Figuration und Abstraktion

Tilman Rothermel hat über Jahrzehnte hinweg das Verhältnis und das Zusammenspiel von Figuration und Abstraktion oder von gegenständlicher und ungegenständlicher Kunst untersucht und hat dies vorwiegend in seinem malerischen Oeuvre entwickelt. Er hat dieses Verhältnis auch in seinem theoretischen Werk, der "Zeichenkritischen Theorie" ausgeführt und hat dabei Grundlagen geschaffen zur Ausdifferenzierung dessen, was man gemeinhin als "Abstrakte Kunst" bezeichnet. Dieses zu erproben und zu entwickeln half ihm seine verschiedenen Lehrtätigkeiten als Kunsterzieher, als Dozent in der Erwachsenenbildung, als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen und in Seminarveranstaltungen, die er sowohl zusammen mit der Bremer Volkshochschule als auch in seinen eigenen Veranstaltungsräumen, der "GALERIE am Schwarzen Meer" durchgeführt hat.